Wenn aus Krise Zusammenarbeit wird
Das Marienkrankenhaus in Hamburg gehört zu den großen Häusern der Stadt. Rund 600 Betten, etwa 2.000 Mitarbeitende, viele Fachbereiche unter einem Dach. Es ist zentraler Teil der medizinischen Versorgung in Norddeutschland. Dann kam Corona.
Von einem Tag auf den anderen funktionierte vieles nicht mehr wie gewohnt. Abläufe gerieten ins Wanken. Routinen griffen nicht mehr. Wichtige Materialien fehlten. Kolleg:innen fielen aus. Die Versorgung musste weiterlaufen. In nie dagewesener Weise wurden Entscheidungen schnell und unkonventionell getroffen. Silos spielten keine Rolle mehr. Wenn es nicht anders ging, setzte sich auch mal der Chefarzt an die Rezeption in der Notaufnahme. Und das Haus lief weiter. Es wurden Ressourcen sichtbar, die vorher niemand erwartet hatte. Zusammenarbeit bekam eine völlig neue Qualität.
Dieser besondere „Corona-Spirit“ sollte auch nach der Pandemie weiterleben. Wir haben dabei geholfen, das möglich zu machen.


Mitten in dieser Ausnahmezeit entstand eine wichtige Erkenntnis:
„So eng wie in dieser Phase haben wir noch nie zusammengearbeitet.“

Das eigentliche Thema lag unter der Oberfläche
Die Themen nach der Krise sind die gleichen wie zuvor: Belastung, komplexe Abläufe, Silodenken. Das Haus ist über Jahre gewachsen. Zuständigkeiten sind nicht immer eindeutig, Absprachen laufen oft über einzelne Personen, Systeme greifen nicht zuverlässig ineinander. Zusammenarbeit funktioniert. Aber nicht durchgängig.
Die Erfahrungen aus der Pandemie wirkten nach: Abläufe waren schneller, Entscheidungen direkter, Absprachen liefen über Bereiche hinweg. Dinge waren möglich, die vorher so nicht denkbar waren. Daraus entstanden Wunsch und Anspruch, daran anzuknüpfen.
Was funktioniert hat, muss in Strukturen überführt werden, die im Alltag funktionieren. Und das gelingt nur, wenn die Menschen im Haus daran beteiligt sind.

„Wir. Zusammen. Weiter.“ Drei Worte als strategischer Kompass.
Unter diesem Leitgedanken begann ein intensiver Prozess, der sich über sieben Workshops, eine digitale Befragung sowie begleitende Führungsformate und Coachings erstreckte. Rund 80 Mitarbeitende aus Medizin, Pflege, Verwaltung und Leitung arbeiteten gemeinsam an den zentralen Zukunftsfragen des Hauses. Von Beginn an war klar, dass es nicht um isolierte Maßnahmen gehen würde. Es ging darum, Strategie, Kultur, Struktur und Technologie in Beziehung zueinander zu setzen. Jede Diskussion über Prozesse führte unweigerlich zur Frage nach Zuständigkeiten. Jede Debatte über Digitalisierung berührte Führungsverständnis und Kommunikation. Jede strukturelle Überlegung machte kulturelle Muster sichtbar.
Gemeinsam wirksam – strukturell klar, menschlich verbunden.


Vom Nebeneinander zum Miteinander.
Am Ende stand ein verändertes Selbstverständnis. Entscheidungen wurden transparenter vorbereitet, Rollen klarer benannt, Schnittstellen bewusster gestaltet, Führung reflektierter ausgeübt, Initiativen interdisziplinär gedacht.
Ärztinnen und Ärzte verstehen die Logik der Pflege, Pflegende verstehen welche Zwänge im OP-Management wirken. Aus vier geplanten Workshops wurden sieben, weil sich Themen gezeigt haben, die vorher keinen Raum hatten. Mitarbeitende arbeiten daran weiter, in Kompetenznetzwerken aus der Mitte der Belegschaft, mit Wissen aus ihrem Alltag und dem Anspruch, das Haus für die kommenden Herausforderungen stark zu machen. „Wir. Zusammen. weiter.“ wurde zum kollektiven Bekenntnis.
Dieses Selbstverständnis wurde sichtbar in der Sprache, im Auftritt, im Miteinander, in geteilter Freude auf dem Sommerfest. Wir haben den Prozess gestaltet, strukturiert und moderiert, Impulse gesetzt, Orientierung gegeben und den Aufbau der abteilungsübergreifenden Kompetenz-Netzwerke begleitet.
Am Ende sind auch wir mit diesem Projekt gewachsen. Wir haben gelernt, wie Veränderung im Gesundheitswesen entsteht – unter Druck, mit vielen Abhängigkeiten und wenig Zeit. Und wir haben unseren Einblick in die Strukturen und Wirkmechanismen von Organisationen im Gesundheitswesen weiter ausbauen dürfen.
Das Marienkrankenhaus ist für uns ein Leuchtturmprojekt, es zeigt, wie Veränderung gelingt, wenn Menschen beteiligt werden, Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen.


Eine Arbeitsgruppe formulierte es treffend:
„Wir wollen die Probleme von heute und morgen lösen, arbeiten aber bisher in Formaten von gestern. Das ist nun endlich anders.“


Sprechen Sie mich an.
In komplexen Organisationen liegt die Lösung selten in einzelnen Maßnahmen. Sie liegt im Verständnis des Gesamtsystems. Genau daran haben wir gemeinsam gearbeitet.
